Hallo Ihr Lieben,
die Kreta Nachsaison hat einen Ruf, der nicht ganz stimmt. Die einen schwärmen von leeren Stränden und warmem Meer, die anderen warnen, dass ab Oktober alles dicht macht. Beides ist ein bisschen wahr, und genau deshalb kommt es darauf an, wann genau Ihr fahrt.

Wir waren 2019 über den Monatswechsel von Oktober auf November ganze 10 Tage auf Kreta, also in der absoluten Nachsaison. Hier kommt meine ehrliche Bilanz: was großartig war, was nicht, und für wen sich diese Zeit lohnt.
Für wen die Kreta Nachsaison passt und für wen nicht
Die Nachsaison ist Eure Zeit, wenn Ihr wandern, Rad fahren, Land und Leute erleben und in Ruhe reisen möchtet. Sie ist nicht Eure Zeit, wenn Ihr zwei Wochen durchgehend Badewetter garantiert haben wollt und abends volle Strandpromenaden mögt.
| Zeitraum | Was Euch erwartet |
|---|---|
| September | Warmes Meer, alles offen, deutlich ruhiger als im August. Der sichere Kompromiss. |
| Anfang bis Mitte Oktober | Ideal zum Wandern, Baden meist noch gut möglich, Tavernen überwiegend geöffnet. |
| Ende Oktober bis November | Sehr ruhig und häufig günstiger, aber vieles schließt. Eher etwas für Individualreisende. |
Wir waren im letzten Zeitraum unterwegs. Das war eine bewusste Entscheidung und ich würde sie wieder so treffen. Aber man sollte wissen, worauf man sich einlässt.
Wenn Ihr noch nicht sicher seid, welche Region und welche Reisezeit zu Euch passen, könnt Ihr das hier in ein paar Minuten grob durchspielen: Kreta Urlaub in fünf Minuten grob planen.
Vier Gründe, warum die Nachsaison auf Kreta klasse ist
1. Wandern macht endlich Spaß
Das ist für mich der wichtigste Punkt. Wir waren 2019 schon im Frühsommer auf Kreta und sind kaum gewandert. Ende Mai und Anfang Juni war es tagsüber meistens 25 bis 30 Grad, und das ist schlicht zu warm für längere Strecken.

Im Oktober war das Wetter dagegen nahezu perfekt. Wir sind rund um Agia Galini mehrmals wandern gewesen. Einmal am Strand entlang nach Kokkinos Pirgos, das sind gut zwei Stunden und recht einfach zu laufen. Nach einer Schwimm- und Tavernenpause ging es denselben Weg zurück.
Das würde ich heute anders machen: Wir sind zu spät los und kamen auf dem Rückweg fast im Dunkeln an. Die Sonne geht im Oktober deutlich früher unter als im Sommer. Plant den Rückweg großzügig und brecht lieber eine Stunde früher auf.
Eine zweite Wanderung führte uns durchs Gebirge nach Agios Georgios, mit tollen Ausblicken auf das Libysche Meer. Oberhalb des Kiesstrands liegt eine unserer Lieblingstavernen auf Kreta.
2. Ihr habt die Insel fast für Euch
Am Flughafen, beim Autovermieter, in Heraklion: überall weniger Betrieb. Die Kreter sind ohnehin freundlich, aber in dieser Zeit wirkten sie auf uns noch einen Tick entspannter. Kein Wunder, die Hochsaison liegt hinter ihnen.
Ein Abend ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Wir waren an einem Sonntagabend Ende Oktober in der Ausgehzone von Heraklion am El-Greco-Park unterwegs. Es hatte abends noch rund 20 Grad, die Kreter waren schick gemacht, die Stimmung war gut. Und es lag kein Kreuzfahrtschiff im Hafen. Das merkt man in der Stadt sofort.
3. Knossos und Festos ohne Gedränge
Die großen Ausgrabungsstätten sind auch in der Nachsaison geöffnet und dann angenehm leer. Wenn Ihr Euch gern alte Steine anschaut und Euch vorstellt, wie das Leben damals war, ist das ein echter Gewinn. In Ruhe durch die Anlagen zu gehen ist etwas völlig anderes, als sich im Juli durch Reisegruppen zu schieben. Öffnungszeiten und Eintritt ändern sich im Winterhalbjahr allerdings, das prüft Ihr am besten kurz vor dem Besuch.
4. Das Meer ist noch warm
Das unterschätzen viele: Das Meer speichert die Sommerwärme lange. Wir sind Ende Oktober am Red Beach bei Matala geschwommen, und das Wasser war warm und klar. Die Luft kühlt schneller ab als das Wasser, deshalb gilt: Handtuch und Badesachen gehören auch im Oktober in den Rucksack.
Und jetzt ehrlich: Die Nachteile der Nachsaison
Es wäre unfair, nur zu schwärmen. Ende Oktober schließen viele Tavernen. Bei unserem Aufenthalt hatte die Taverne Stochos direkt unter unserem Apartment schon zu, als wir ankamen. Überall wird abgebaut, Stühle werden gestapelt, es liegt Abschiedsstimmung in der Luft. Die Kreter freuen sich auf etwas freie Zeit, bevor die Olivenernte beginnt. Das muss man einfach vorher wissen- uns schreckt es nicht ab.
Was uns außerdem aufgefallen ist: In dieser Zeit wird viel verbrannt. Beim Aufräumen fällt Müll an, und der landet vielerorts im Feuer. Mich hat das an meine Kinder- und Jugendzeit auf dem Land in Deutschland erinnert, da wurde auch alles verbrannt, was übrig war.
Dazu kommt das Wetter. Im Oktober und November kann es Regentage geben. Das ist kein Drama, aber wer zwei Wochen durchgehend Sonne erwartet, wird möglicherweise enttäuscht.
Was das für Eure Planung bedeutet
Je später Ihr fahrt, desto wichtiger wird die Frage, wo Ihr wohnt. In einem sehr kleinen Ort, der ausschließlich vom Tourismus lebt, kann es passieren, dass fast nichts mehr geöffnet hat. In größeren Orten und in den Städten läuft dagegen ganzjährig etwas. Worauf ich bei der Lage sonst noch achte, habe ich hier aufgeschrieben: Hotel auf Kreta buchen: die richtige Lage finden.
Und je später Ihr fahrt, desto sinnvoller ist ein Mietwagen. Wenn die Taverne um die Ecke geschlossen ist, wollt Ihr flexibel sein. Genau deshalb würde ich bei einer Reise Ende Oktober oder im November den Mietwagen von Anfang an mit in die Planung nehmen und nicht erst vor Ort überlegen.
Unsere Anreise: eine Nacht in Heraklion
Wir sind 2019 mit Bus, Flug und Zug angereist und waren nach gut neun Stunden endlich wieder auf Kreta. Es war sofort rund zehn Grad wärmer als zu Hause. Diesmal lief alles reibungslos, was bei meinem Flug Ende Mai 2019 durchaus anders gewesen war.
Weil wir erst gegen 20 Uhr in Heraklion landeten, haben wir uns wie schon im Mai für eine Übernachtung in der Stadt entschieden. Das Zimmer hatten wir im Hotel Rea nahe am El-Greco-Park mitten in der Altstadt gebucht.
Mein ehrlicher Tipp: Wenn Ihr abends spät landet und in den Süden wollt, bleibt die erste Nacht in Heraklion. Die Fahrt über die Berge im Dunkeln nach einem langen Reisetag ist kein guter Start in den Urlaub. Und am nächsten Morgen habt Ihr die Strecke bei Tageslicht, was deutlich schöner ist.
Den Mietwagen haben wir direkt nach der Ankunft abgeholt. Statt des gebuchten VW Up gab es ein kostenloses Upgrade auf einen fast neuen Ford Focus. Bei unserer Buchung im Oktober 2019 waren die Mietwagenpreise deutlich günstiger als in der Hauptsaison, und beim Vermieter standen mehr Fahrzeuge als Kunden.
Matala und ein Wiedersehen in Pitsidia
Auf dem Weg von Heraklion nach Agia Galini im Süden haben wir eine Nacht in Matala verbracht, weil es uns im Mai 2019 so gut gefallen hatte. Nach einer kleinen Wanderung zum Red Beach saßen wir wieder in der Hakuna Matata Bar. Es war wie beim ersten Besuch sehr lustig dort. Update: leider gibt es diese Bar in Matala nicht mehr, sie lag sehr dicht über dem Meer und wurde bei einem Wintersturm stark beschädigt. Aber es gibt einen kleineren Nachfolger an dieser Stelle – einfach mal ausprobieren, wenn Ihr da seid.
Und dann gibt es da noch eine Geschichte, die zeigt, wie klein die Kreta-Welt manchmal ist. Etwa anderthalb Jahre vor dieser Reise hatte ich zu Hause in Oldenburg einen Griechisch-Anfängerkurs gemacht. Zwei der Mitschüler waren ein sehr nettes Ehepaar, ebenfalls Kreta-Fans. 2019 hatten die beiden eine Taverne in Pitsidia eröffnet, rund zwei Kilometer von Matala entfernt, und natürlich sind wir dort eingekehrt. Ein offener Innenhof, Sterne über dem Tisch, nette Gäste an den anderen Tischen. So ein Abend, den man nicht plant und trotzdem behält. Und natürlich mit Live-Musik.
Die Taverne gibt es heute nicht mehr, die Corona-Jahre haben dem Projekt ein Ende gesetzt. Die beiden leben aber weiterhin knapp sechs Monate im Jahr in Pitsidia und arbeiten von dort aus remote. Wir treffen sie regelmäßig, wenn wir auf der Insel sind.
Kurzer Aha-Moment: Genau das ist etwas, das mir in der Nachsaison immer wieder auffällt. Im Hochsommer trefft Ihr Urlauber. In der Nebensaison trefft Ihr Menschen, die hier tatsächlich leben. Deutsche, die einen Teil des Jahres bleiben, Kreter, die endlich Zeit haben, Rückkehrer, die hier ihre zweite Heimat haben. Das ist eine völlig andere Insel als die im August.
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Was Ihr für die Nachsaison einpacken solltet
Der häufigste Packfehler im Oktober ist, nur an Sommer zu denken. Tagsüber könnt Ihr in kurzer Hose herumlaufen, aber sobald die Sonne weg ist, wird es zügig kühl.
Was wirklich mitmuss:
- eine lange Hose, eine leichte Jacke und ein Fleece für abends
- feste Schuhe mit Profil, wenn Ihr wandern wollt
- eine dünne Regenjacke, anders als im Hochsommer
- Badesachen, denn das Meer ist wärmer als gedacht
- eine Taschenlampe oder ein geladenes Handy, weil es früher dunkel wird
Was ein Kreta Urlaub in der Nachsaison kostet
Die Nachsaison gehört auf Kreta meist zu den günstigeren Reisezeiten des Jahres. Flüge, Unterkünfte und Mietwagen können deutlich unter den Preisen der Sommer-Hauptsaison liegen. Konkrete aktuelle Zahlen nenne ich hier bewusst nicht, weil sie sich von Jahr zu Jahr, von Woche zu Woche und je nach Abflughafen stark verändern.
Was ich Euch dagegen aus Erfahrung sagen kann: Schon der Unterschied zwischen Ende September und Ende Oktober kann beim Vergleichen erstaunlich sein. Wenn Ihr flexibel seid, verschiebt den Reisetermin einmal um ein paar Tage und schaut, was passiert. Genau an dieser Stelle entscheidet sich, ob Eure Reise günstig wird oder nicht.
Wie wir selbst beim Budget vorgehen und welche Fehler beim frühen Buchen richtig Geld kosten, findet Ihr im ehrlichen Budget-Guide für Kreta und in den 6 Fehlern beim frühen Buchen.
Häufige Fragen zur Nachsaison auf Kreta
Kann man im Oktober auf Kreta noch baden?
Ja. Das Meer hat die Sommerwärme gespeichert und ist meist noch angenehm. Wir sind Ende Oktober 2019 am Red Beach geschwommen. Die Luft kühlt allerdings schneller ab, ein Handtuch und etwas zum Überziehen sind sinnvoll.
Hat im November auf Kreta noch etwas offen?
In den größeren Orten und Städten ja, in kleinen Badeorten oft nur noch wenig. Viele Tavernen und Hotels schließen Ende Oktober. Wenn Ihr im November fahrt, wählt eine Unterkunft in einem Ort, der auch außerhalb der Saison lebt.
Brauche ich in der Nachsaison einen Mietwagen?
Ich würde ihn Euch dringend empfehlen, und zwar stärker als im Sommer. Ausflugsboote und Busverbindungen werden ausgedünnt, und wenn vor Ort etwas geschlossen hat, wollt Ihr flexibel sein. Gerade bei einer späten Reise gibt Euch ein Auto deshalb deutlich mehr Freiheit.
Wann genau beginnt die Nachsaison auf Kreta?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Grob wird es ab Mitte September spürbar ruhiger, ab Mitte Oktober beginnt die späte Nachsaison, und Anfang November ist die Saison in vielen klassischen Badeorten weitgehend vorbei.
Für wen lohnt sich die Nachsaison nicht?
Für alle, die zwei Wochen Strandurlaub mit Garantie auf Badewetter wollen, für Familien mit festen Ferienterminen im Sommer und für alle, die abends viel Betrieb mögen. Dann seid Ihr im Juni oder September besser aufgehoben.
Mein Fazit zur Nachsaison auf Kreta
Wenn Ihr Kreta als Insel erleben wollt und nicht nur als Strand, ist die Nachsaison für mich eine der schönsten Zeiten dafür. Ihr könnt bei angenehmen Temperaturen wandern, habt an vielen Orten deutlich weniger Betrieb, zahlt häufig weniger und bekommt ein Stück vom echten Alltag der Insel mit.
Wenn Ihr dagegen zwei Wochen möglichst verlässliches Badewetter braucht, fahrt lieber im September. Da bekommt Ihr einen guten Teil der Vorteile, ohne dass Euch schon so viel Infrastruktur wegbricht.
Meine kurze Empfehlung: Wandern und Ruhe im Oktober, sicheres Badewetter im September, und ab Ende Oktober bitte nur mit Mietwagen und einer Unterkunft in einem Ort, der auch im Winter lebt.
Wir haben unseren Urlaub 2019 damals übrigens mit einer Zwischenlandung in Athen abgeschlossen, mit 22 Stunden Zeit in der Stadt. Das ist eine eigene Geschichte. Aber so eine Woche im Oktober auf Kreta, das ist echt so klasse.
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Viel Freude bei Eurem nächsten oder auch ersten Besuch auf Kreta! Bis dann, Eure Franzi
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